„Setzen Sie beim Streit ums Sorgerecht auf
Profis, die etwas davon verstehen.“
25Aug2016

Familienpsychologische Gutachten, die eigentlichen Richter.

Von: Pajam Rokni-Yazdi

In familiengerichtlichen Verfahren sehen sich Richter immer häufiger dazu veranlasst Sachverständigengutachten einzuholen, die dann zumeist als sogenannte „familienpsychologische Gutachten“ bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen wissenschaftlich feststehenden Begriff, sondern vielmehr um eine von Gerichten und Psychologen kreierte Bezeichnung. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Vorgaben wie ein Gutachten inhaltlich auszusehen hat oder wer dazu berechtigt ist ein solches Gutachten zu verfassen. Es fehlen also jegliche Standards und das obwohl diese Gutachten zumeist als Grundlage dafür dienen, Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen oder darüber zu entscheiden, ob ein Elternteil sein Kind sehen darf oder nicht. Besonders dramatisch ist es dann, wenn Richter den Gutachteraussagen in ihrem Urteil folgen, ohne den wissenschaftlichen Gehalt des Gutachtens vorher hinterfragt zu haben. Oft wird die Zusammenfassung des Gutachtens nur abgeschrieben. Der Gesetzgeber macht es den Richtern dabei einfach dies zu tun. Will der Richter von den Aussagen eines Sachverständigen abweichen muss er dies sehr ausführlich begründen und darlegen, aus welchen Gründen er meint, die Kompetenz des Sachverständigen durch seine eigene ersetzen zu können. Viel Arbeit für einen Richter, der zumeist ohnehin in einer Aktenflut versinkt. Da ist es doch zeitschonender einfach das abzuschreiben was ein Sachverständiger ausgearbeitet hat. Die Bundesregierung sieht sich aufgrund einer Vielzahl fehlerhafter Gerichtsentscheidungen derzeit dazu veranlasst über die Aufstellung wissenschaftlicher Standards zu beraten.

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